Peter S., Jugendarbeiter

Studienabschluss: Soziale Arbeit, B.A.

Stellen Sie sich und Ihren Beruf kurz vor!

Ich arbeitete beim Chillout (Verein zur Förderung akzeptierender Jugend- und Drogenarbeit) und leite einen Jugendclub in Potsdam. Zudem übernehme ich für Chillout Aufgaben in der Suchtprävention.

Beschreiben Sie Ihre Arbeit! Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ein Vorteil in der Sozialen Arbeit ist, dass kein Tag wie der andere ist. Die Arbeit ist sehr vielfältig und deshalb gibt es den typischen Arbeitsalltag eigentlich nicht. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Jugendclubteam während der Öffnungszeiten vor Ort ist.

Es gibt regelmäßig Teamsitzungen und regelmäßige Angebote wie Break Dance, Graffiti oder Foto. Gleichzeitig haben wir einen Garten mit z. B. Hochbeeten eingerichtet. Wesentlich hängt das Angebot aber von den Besucher*innen ab, die kommen: Manchmal kochen wir, manchmal spielen wir Fußball oder bieten auch ganz spezielle pädagogische Angebote an. Darüber hinaus führe ich außerhalb der Öffnungszeiten des Jugendclubs noch Präventionsangebote für Schulklassen, z. B. zu Tabak und Alkohol durch. Immer wieder mal nehme ich auch an Fortbildungen und Kongressen teil, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Warum haben Sie sich für ein Studium der Sozialen Arbeit entschieden?

Ich bin auf einem Umweg zur Sozialen Arbeit gekommen. Zunächst habe ich mich sehr viel mit Computern beschäftigt und habe dann begonnen Mikrosystemtechnik zu studieren. Dabei ist mir aber klar geworden, dass ich meine Zukunft nicht im technischen Bereich sehe.

Auf den Gedanken einer Freundin hin, dass meine kommunikative Art doch sehr gut zum Studium der Sozialen Arbeit passen würde, habe ich mich mit dem Studienangebot  der Sozialen Arbeit in Potsdam auseinandergesetzt und gemerkt, dass mich das sehr angesprochen hat.

Schildern sie ihren beruflichen Werdegang. Bzw.: Wie sind sie zu ihrem jetzigen Beruf gekommen?

Ich habe mich während meines Studiums intensiv mit dem Thema Familienrat sowohl innerhalb als auch außerhalb des Studiums auseinandergesetzt. Gegen Ende des Studiums habe ich das Angebot angenommen, als Familienhelfer zu arbeiten und bei dem Anstellungsträger hatte ich dann auch meinen Berufseinstieg.

Dabei hatte ich das Glück, in ein Team zu kommen, dass seine Arbeit in Potsdam gerade neu begonnen hatte. Dadurch hatte ich viele Möglichkeiten der Mitgestaltung. Gleichzeitig habe ich schon während meiner Studienzeit über ein Studienangebot Kontakt zu Chillout bekommen, deren akzeptierende Art der Drogenarbeit mich sehr beeindruckt hat.

Dort habe ich mein Praktikum gemacht und danach begonnen für Chillout ehrenamtlich in der Partyarbeit mitzuwirken. Dies habe ich auch nach meinem Berufseintritt fortgeführt. Als sich dann die Möglichkeit ergab, bei Chillout den Jugendclub aufzubauen, bin ich aus der Familienhilfe in die Jugendarbeit gewechselt.

Was fasziniert Sie an ihrer Tätigkeit?

Am Anfang stand die Entwicklung eines Konzepts, mit dem wir uns bei der Stadt Potsdam für die Einrichtung eines Jugendclubs beworben und für das wir dann die Zustimmung gewonnen haben. Das war für mich die Chance mit neuen Mitarbeiter*innen ein eigenes Projekt bei Chillout aufzubauen.

Und das ist das faszinierende an dieser Tätigkeit. Wir mussten uns nicht in eine fertige Struktur einfinden, sondern konnten alles von vornherein neu entwickeln. Wir konnten nach unseren Vorstellungen einen Begegnungsort für junge Menschen schaffen, wo diese sich wohlfühlen und dort lernen können, entlang eigener Interessen etwas zu entwickeln und dafür aktiv zu werden.

Was erleben Sie als Herausforderung bei Ihrer Tätigkeit? Bzw. was macht es evtl. schwer?

Zunächst mussten wir den Jugendclub in einem Gebäude realisieren, dass über Jahre leer stand. Das war die erste Herausforderung. Des Weiteren kommen zu uns – entsprechend zur Sozialstruktur im Stadtteil – viele Jugendliche mit einem migrantischen Hintergrund. Mit der Energie, die diese Jugendlichen mitbringen, geht beispielsweise ein sehr hoher Lärmpegel einher, der über Tage hinweg gesehen, schon eine Belastung darstellen kann. Gleichzeitig bietet diese Energie aber auch in großes Potenzial für Aktivitäten.

Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, das Sie während des Studiums für Ihren aktuellen Beruf gelernt haben?

Ich habe immer gesagt: „Man lernt beim Studium, ein guter Mensch zu werden.“ Damit meine ich, dass es im Studium darauf ankommt, nicht nur zu konsumieren, sondern eigene Wege zu verfolgen, eigene Projekt zu verfolgen und sich darüber mit Studierenden unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft sowie vorgängiger Berufserfahrung und unterschiedlichen Lebensweisen offen austauschen zu können.

Das war für mich sehr bereichernd, an diesem breiten Erfahrungsschatz teilhaben zu können. Und das Studium war dafür in besonderer Weise geeignet, da es sehr frei gestaltet und auf Dialog angelegt ist.

Gibt es etwas im Studium, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Während ich mich beim Studium der Mikrosystemtechnik vom ersten Tag an nicht wohlgefühlt habe, war es an der FH Potsdam schon am ersten Tag so, dass ich mich sehr gut aufgehoben fühlte. Das lag insbesondere auch an der sehr positiven Einführung durch Studierende und Lehrende, die einen guten Einstieg in das Studium ermöglichten.

Daran kann ich mich bis heute noch gut erinnern. Ebenso ist die Grundstudienwerkstatt hervorzuheben, weil wir dort viel mehr geleistet haben, als man es sich in einem ersten Studienjahr vorstellen kann: forschen, Berichte schreiben sowie veröffentlichen und mit eigenen Ideen in der Praxis der Sozialen Arbeit wirksam sein können. Benennen muss ich auch die Nähe zu den Dozenten*innen.

Dadurch dass der Fachbereich an einem überschaubaren Ort angesiedelt war, gab es eine sehr familiäre Atmosphäre und immer wieder auch die Gelegenheit mit den Professoren*innen persönliche Gespräche zu führen. Dieser Punkt ist mir deshalb so wichtig, weil ich die Erfahrung aus dem technischen Bereich mitgebracht habe, dass dort eine große Distanz zu den Professoren*innen besteht.

Was sollte man an Interessen bzw. Fähigkeiten für dieses Berufsfeld mitbringen, im Studium erwerben oder sich ggf. durch Zusatzqualifikationen aneignen?

Man muss Lust haben auf Menschen, darauf, mit ihnen etwas zu machen. Man muss Lust haben auf andere Lebenswelten, weil man sich seine Klienten*innen in der Regel nicht aussuchen kann. Umgekehrt denke ich, dass Personen, die eher kontaktscheu sind, wesentlich mehr Schwierigkeiten haben werden, ein(e) gute(r) Sozialarbeiter*in zu werden.

Das heißt, man muss bereit sein, auf Menschen offen zuzugehen und dabei die Gelassenheit mitzubringen, ihnen Belastungen nicht einfach abzunehmen zu wollen, was unmittelbar der einfachere Weg zu sein scheint, sondern sie zuvorderst im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zu unterstützen.

Im Studium selber sollte man sich Strategien der Gesprächsführung aneignen. Wichtig war für mich auch der Erwerb psychologischer Kenntnisse und die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen. Letztlich gibt es allerdings sehr viele interessante Bereiche, mit denen man sich auseinandersetzen könnte. Das ist gerade das Spannende am Studium und an der Praxis der Sozialen Arbeit, dass sie so vielfältig ist und das man schon im Studium eigene Perspektiven entwickeln kann.

Was würden Sie Studieninteressierten mit auf den Weg geben? Bzw.: Welchen Rat würden Sie Studienanfängern geben, die später ebenfalls Ihren Beruf ausüben wollen?

Lerne möglichst viele Studierende kennen, die mit Dir Soziale Arbeit studieren und versuche so viel wie möglich über sie zu lernen und dann wird es mit dem Studium der Sozialen Arbeit sicherlich gut laufen.